Die Fremden Schweizer Richter

DIE
Fremden Schweizer Richter

Schweizer Richter/Innen an Internationalen Gerichtshöfen

 
Wir haben auch einhellig gelobt und festgesetzt, dass wir in den Tälern durchaus keinen Richter, der das Amt irgendwie um Geld oder Geldeswert erworben hat oder nicht unser Einwohner oder Landsmann ist, annehmen sollen
— Bundesbrief, 1291

Diese Richterklausel von 1291 dient 727 Jahre später als Inspiration für den Titel der Volksinitiative “Schweizer Recht statt Fremde Richter” oder auch “Selbstbestimmungsinitiative”, über die am 25. November 2018 abgestimmt wird. Mit den Bestrebungen der drei Urkantone nach Selbstbestimmung gegenüber habsburgischen Vögten hat der Begriff der fremden Richter indes nicht mehr viel zu tun. Heute zielt er vielmehr auf Richterinnen und Richter an Internationalen Gerichtshöfen ab…

 

… und die sind ja gar nicht so fremd.

Sieben Schweizer Richterinnen und Richter, die an drei verschiedenen internationalen Gerichtshöfen tätig waren oder es noch immer sind, gehen auf von der Initiative aufgeworfene Fragen zum Völkerrecht ein und erzählen von ihren persönlichen Überzeugungen und Erfahrungen als internationale RichterInnen.

 

Stefan Trechsel
Verträge abschliessen - Ein Akt der Souveränität

Lucius Caflisch
Völkerrecht und die Beteiligung der Schweiz

Giorgio Malinverni
Völkerrecht in der bundesVerfassung

Mark Villiger
Der Nationale Richter

Carlo Ranzoni
berücksichtigung nationaler gegebenheiten

Helen Keller
Die Wichtigkeit der Schweiz für den EGMR

Robert Roth
Die Legitimität eines Internationalen Richters

Stefan Trechsel

Europäische Menschenrechtskommission
1975-1999

Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien
2006-2013

 

Als langjähriger Professor für Straf- und Strafprozessrecht an der Universität St. Gallen und der Universität Zürich wurde Stefan Trechsel 1975 in die Europäische Menschenrechtskommission gewählt, die er von 1995-1999 auch präsidierte.  Neben verschiedenen Tätigkeiten in wissenschaftlichen Gremien und Expertenkommissionen des Bundes, amtete er ab 2006 als Ad Litem Richter am ICTY.
Heute lebt er in Bern.

 

Verträge abschliessen - Ein Akt der Souveränität

Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien

 


LuciUS Caflisch

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
1998-2006


Lucius Caflisch ist pensionierter Völkerrechtsprofessor des Institut des Hautes Etudes Internationales et du Dévelopment in Genf, welchem er auch als Direktor vorstand. Ab 1991 war er zudem Rechtsberater des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten bevor er 1998 als Richter für Liechtenstein an den EGMR in Strassburg wechselte.

Nach seiner Zeit in Strassburg wurde er zum ersten und bisher einzigen Schweizer Mitglied in die Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen gewählt.
Heute lebt er im Kanton Waadt.

 

Völkerrecht und wie sich die Schweiz daran Beteiligt

 

Giorgio Malinverni

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
2007 – 2011

Nach seiner Pensionierung als Professor für Verfassungs- und Völkerrecht an der Universität Genf wurde Giorgio Malinverni als Richter für die Schweiz an den EGMR gewählt. Zuvor war er bereits Mitglied der Venedig-Kommission (Europäische Kommission für Demokratie durch Recht) und des UNO Ausschusses für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Heute ist er Mitglied der Organisation WaterLex und wohnhaft in Genf.

 

Völkerrecht in der Schweizer Verfassung

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Mark Villiger

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
2006-2015

Mark Villiger kam bereits 1983 nach Strassburg, wo er zuerst im Sekretariat der Europäischen Menschenrechtskommission arbeitete. Ab 1998 war er für die Kanzlei des EGMR tätig, bevor er 2006 als Richter für Liechtenstein an den EGMR gewählt wurde. Er lebt in Strassburg und ist als Professor an der Universität Zürich tätig.

 

Der Nationale Richter

Zwei Schweizer am EGMR

Helen Keller

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
Seit 2011

Als Professorin für öffentliches Recht an der Universität Luzern und für Europa- und Völkerrecht an der Universität Zürich war Helen Keller von 2008-2011 Mitglied des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen. Heute ist sie als Richterin für die Schweiz am EGMR tätig und lebt in Strassburg und Zürich.

Die Wichtigkeit der Schweiz für den EGMR

Der Einfluss des EGMR auf die Schweiz

 

CARLO RANZONI

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
Seit 2015

Bevor Carlo Ranzoni 2015 für Liechtenstein an den EGMR gewählt wurde, amtete er bereits während 14 Jahren als Richter in Vaduz. Daneben vertrat er Liechtenstein in verschiedenen internationalen Komitees. Als amtierender Richter für Liechtenstein am EGMR lebt er heute in Strassburg.

 

Richten unter 47 Richter

 
 

Robert Roth

Sondertribunal für den Libanon
2011-2013

Neben seiner Tätigkeit als Strafrechtsprofessor an der Universität Genf war Robert Roth von 1992 bis 2011 auch Richter am Kassationsgericht in Genf. Darauf folgten eine zweijährige Amtszeit als Richter am Sondertribunal für den Libanon und die Leitung der Geneva Academy of International Humanitarian Law and Human Rights. Robert Roth ist vor Kurzem in Pension getreten und lebt in Genf.

 

Legitimität eines Internationalen Richters

Das Sondertribunal für den Libanon

 

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Projekt und Kontakt

 

Dieses Projekt entstand auf Initiative von Evin Yesilöz. Die Gespräche wurden geführt und gefilmt von Alexandra Keller, Elia Menghini, Ana Scheu und Evin Yesilöz.

Fotorechte:

© ECHR-CEDH - Portraits Trechsel, Caflisch, Malinverni, Villiger, Keller, Ranzoni und die Aufnahmen des EGMR
© Geneva Academy of International Humanitarian Law and Human Rights - Portrait Roth

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